Archiv des Autors: malteloos

Sommerpause…

Sommerabend auf dem Tempelhofer Feld

 

 

Mal brütet der Sommer in Hitze, mal ist er kühl, auf jeden Fall ist er da und wir daraufhin erstmal weg…

In der dritten Augustwoche geht es mit allen Stunden und Unterrichten weiter… bis dahin allen einen lieben Gruß,

Malte

 

Noch mal kurz nach Weisswasser geschlüpft, zum Auftanken am Jahresanfang.  Auf der Zauberwiese gewesen. Sie ist auch bei Schnee märchenhaft schön. Und wie immer in Dämmerung und Abendlicht ganz besonders.

In der Dämmerung wandeln sich Wiese und Tal. Die Farben ändern sich und das Licht. Die Formen verwischen, als schliefe die Erde und hebe und senken die Bergrücken mit ihrem Atem. Die Wälder neigen sich einander zu, die Bäume scheinen zu tuscheln und Elfen und Geister zu spielen im Wald.

Langsam heben sich die Konturen ganz auf im Dämmerlicht der Wolken. Das Tal legt Stille in den Blick und beruhigt den Betrachter. Es zieht sich in einen formlosen Schlaf zurück, bereit, Neues formen zu lassen vom Licht der Morgensonne.

Alles löst sich.

 

Der Freiherr von Eichendorff, der ja aus Neisse kam, hat das so ausgedrückt:

 


Es war, als hätt‘ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt‘.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

 

 

 

 

Leider ist das in der Hütte nicht ganz so. Da haben die Silvesterjäger acht Hirsche in der Scheune aufgehängt. Nun denn. Wir werden eine Lösung finden.

 

Ab Mittwoch geht es weiter!

 

Lieben Gruß,

 

Malte

Winterpause und Termine 2019

Ihr Lieben,

 

das Jahr neigt sich zu seinem Ende. Wir haben in 2018 ja im Training so ziemlich alles auf den Kopf gestellt, dessen wir habhaft werden konnten. Ich fand das sehr beflügelnd. Ich hoffe alle anderen auch…:)

 

Ab Mittwoch herrscht erstmal wohl verdiente Ruhe. Am 2. Wochenende in 2019 geht es weiter. Dann fängt auch das jähriche Schachspiel mit Wetter an, ob wir ein Wochenende finden, wo es kalt und ungemütlich genug ist, um morgens um 6 draussen zu üben. Details gebe ich noch bekannt.

 

Seminartermine für 2019 stehen auch fest. Das Frühjahrsseminar Karate findet am Wochenende vom 3. bis 5. Mai in Stolzenhagen statt, das Herbstseminar genauso in Stolzenhagen am Wochenende vom 20.-22. September. Das Sommerseminar ist in Strohdehne am wochenende vom 3.-5- Juli.

 

Ob wir da jeweils noch einen Tag davor oder danach dranhängen, hängt vom Programm ab. Das gebe ich noch gesondert bekannt.

 

Ich wünsche allen frohe Weihnachten und einen schönen Jahresabschluß!

 

Malte

 

 

 

 

 

 

Mango ist tot.

Alfousane Kebbe, 1981-26.11.2018

Ihr Lieben,

unser Freund Alfousane Kebbe, genannt Mango, ist tot. Er starb letzte Woche am Montag im Krankenhaus Neukölln an Tuberkulose. Dort war er am Samstag eingeliefert worden, weil die Schwäche und das Unwohlsein, die er die ganzen letzten Wochen verspürt hatte, sich zu unsäglichen Schmerzen ausgewachsen hatten. Da begannen seine Leber und seine Nieren zu versagen, und das muss so fürchterlich gewesen sein, dass selbst die ständigen Beschwerden in seiner Lunge, in die die Bakterien sich stetig hineinfrassen, in den Hintergrund traten.

Von all dem wusste Mango nichts. Er war in den Jahren die wir ihn kannten, immer mal wieder krank gewesen. Er war aber nie auf die Idee gekommen, das könne etwas Ernstes sein. Mango hatte sich letzten Monat bei einem Arzt vorgestellt, der aber offensichtlich nicht weiter gedacht hatte, als er in seiner Lunge nichts Auffälliges hörte. In den letzten Tagen seines Lebens nahm die Krankheit dann rasant ihren Lauf. Mango schwand unter ihr buchstäblich dahin. Ich verstehe, warum man sie früher Schwindsucht nannte.

Jetzt liegt sein Körper in der Pathologie des Krankenhauses Neukölln und wartet auf die Überführung in seine geliebte Heimat. Die hatte er vor vielen Jahren verlassen, weil er in seinem kleinen Dorf in Gambia keine Zukunft sah für seine Tochter und auch nicht für sich selbst. Seiner Tochter eine Ausbildung zu ermöglichen war Mangos größtes Ziel. Bis zu seinem Tod hat er jeden Monat die nötigen Geldmittel dafür auftreiben können. Noch im Sommer schmiedete er Pläne, sie zum Studieren nach Deutschland zu holen.

Seine größte Hoffnung war, eines Tages seine Papiere zu erhalten und in Deutschland regulär arbeiten zu können. Dabei wäre er ohne Zweifel sehr erfolgreich geworden. Mango trat im Training häufig etwas unsicher auf, bisweilen sogar ein bisschen ungelenk. Das lag aber nur daran, dass er sprachlich oft nicht ganz verstand, was wir von ihm wollten. Wenn man mit ihm in Ruhe redete, wurde sehr schnell klar, was für eine Persönlichkeit da vor einem sass. Dann wurde man von seiner warmen Kraft berührt und eingenommen von seiner Klarheit und bodenständigen Klugheit. Er könnte auch über sich selber lachen und hatte echte Wärme für seine Mitmenschen.

Mango hatte auch einen ziemlich durchsetzungsstarken Willen. Er wäre mit weniger Hürden im Leben ein großartiger, erfolgreicher Geschäftsmann geworden. Er war auch ein begnadeter Schreiner. Wenn er eine Säge in die Hand bekam, wuchs er scheinbar um 10 Zentimeter und arbeitete mit größter Konzentration und Geschwindigkeit.

Die Hürden in seinem Leben waren enorm. Mango konnte nie eine Schule besuchen und nicht lesen und nicht schreiben. Als Geduldeter wurde er in Deutschland systematisch vom Staat aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Man wollte ihn eben los werden.

Das war ziemlich doof, denn nicht nur war Mango ungemein begabt, sondern gerade wenn es um Geschäft und Handwerk ging, akkurat wie ein Preusse. Eine nicht perfekt parallele Parkettlinie liess er einfach nicht stehen, eine ausstehende Schuld genauso wenig.

Mangos Offenheit für Neues kann man sich gar nicht groß genug vorstellen. Als Hiesiger kann man sich kaum ausmalen, welche Hürden das Bewusstsein von ganz unten auch in der Gambianischen Gesellschaft zu kommen, die mangelnden Sprachkenntnisse, die kulturelle Unkenntnis und die organisierte Ablehnung durch Deutschland für ihn aufbauten. Ich habe fast zwei Monate gebraucht, um ihn davon zu überzeugen, dass es wirklich ok war, zum Karate Training mitzukommen. Er war der einzige aus seiner Gruppe, der den Schritt wagte. Es war ihm sichtlich peinlich.

Mango war immer sehr zurückhaltend darin, um etwas zu bitten. Teils war das Furcht vor Enttäuschung. Er war ungeheuer aufgeregt, wenn es schien, wir könnten ihm einen Bauarbeitsjob verschaffen und schmerzlich betrübt, wenn es wieder nicht geklappt hatte.
Teils war es sein innewohnender Stolz. Er wusste immer zu signalisieren, dass er alles unter Kontrolle hatte und keine Hilfe brauchte, selbst wenn das offensichtlicher Quatsch war. Sein Mitbewohner berichtet, dass er noch fünf Tage vor seinem Tod jede Einlieferung ins Krankenhaus ablehnte. Er wollte selber damit fertig werden.

Diese Sturheit zu überwinden war eine große Hürde. Nicht nur in diesem letzen Akt, sondern auch schon bei vielen kleineren Anlässen in den Jahren, wo wir ihn kannten. Vielleicht hat sie ihn am Ende das Leben gekostet.

Mir erscheint sein Ableben wie eine klassische Tragödie, in der tausend kleine Faktoren zusammenkommen, von denen jeder vielleicht unbedeutend sein mag, die aber am Schluß den Helden zu Fall bringen. Weil sie die guten Sinne der Menschen betäuben. Weil sie verhindern, dass man richtig mit einander kommuniziert. Weil sie uns davon abhalten, das Einfache und Richtige zu tun.

Mein Freund, ich werde Dich vermissen. Ich werde nie wieder nachts durch den Görli laufen und nach Dir Ausschau halten, mal freudig, mit Dir zu reden, mal schweigsam und insgeheim hoffend, dass Du mich nicht siehst. Wir werden nicht mehr auf der Parkbank sitzen und über Autopreise in Gambia philosophieren. Wir werden nicht mehr die Freude teilen, wenn Du im Karate wirklich etwas verstanden hast. Du wirst nicht mehr still mit gedrehtem Kopf lachen und Deine Wärme verbreiten, wie nur Du es konntest. Der Marabu aus Deinem Dorf wird nicht für unsere Gruppe beten.

Ich bitte Dich um Verzeihung. Für mein Land, dass Deinen Reichtum nicht haben wollte und Dich am Ende sterben liess. Für meine eigene Dummheit, auf Dich gehört zu haben, wenn Du mal wieder sagtest, alles werde gerade besser, so wie als wir vor ein paar Wochen das letzte Mal sprachen. Und ich bitte Dich um Verzeihung für die beiden roten Pfeile, die ganz oben in der Anrufliste stehen, wenn man Deinen Namen aufschlägt in meinem Telefon.

Ich weiss auch, dass ich nicht wissen konnte, wie schlimm es um Dich stand. Ich weiss auch, dass unter den beiden roten nach innen gerichteten Pfeilen 15 grüne, nach außen gerichtete stehen, jeder für einen erfolglosen Versuch, Dich zu erreichen in den Wochen zuvor. Und doch markieren die beiden Pfeile meine Schande: Als Du mich brauchtest, war ich nicht für Dich da. Als Du soweit warst, nach mir zu rufen, habe ich nicht geantwortet. Als Du dem Tode nahe warst, dachte ich, es wird schon nicht so dringlich sein und ich rufe schon bald zurück.

Verzeih mir mein Freund.

Du warst mir ein echter.

Malte

Miniseminar Karate

Hallo,

Wir freuen uns auf Euch!

Diesen Herbst machen wir ein konzentriertes Karateseminar. Wir halten es kurz und knapp und bleiben in Berlin. Wir üben Techniken im Äußeren und erfahren uns selbst im Inneren. Thema ist Loslassen als Kunst der Selbsterfahrung. Geeignet für Anfänger und Fortgeschrittene. Details im Flyer anbei. Wir freuen uns auf Euch! 

Fragen etc bitte stellen unter 0174 3790176 oder malte@innere-stille.net!!!

Hoch zum Himmel…

Hi,

unsere Mittwochsstunden wandern höher ans Licht. Ab dieser Woche üben wir regulär im 4. OG des Zentrum für Yoga und Stimme, nicht mehr im 3. OG. Die Zeiten blieben dieselben, also 18:30 Uhr für die stillen Stunden und 20:5 Uhr für’s Karate.

Der vierte Stock ist viel fliessender und heller, dafür etwas weniger erdig als der dritte. Wir freuen uns!

Gruß aus den Bergen…

Hallo Ihr,

 

diese Woche habe ich mich noch einmal in die Berge zurückgezogen. Siehe Bild anbei … Jan macht die Karatestunde am Mittwoch zur gewohnten Zeit im dritten Stock des ZYS.

Bitte sagt ihm Bescheid, ob Ihr kommen könnt und wollt und zwar am besten per SMS auf +49 177 4721099.

Er übt weiter anfängergerecht sich gehen zu lassen in seine Bewegung, am besten in einen Roundhousetritt.

Ab nächste Woche ist wieder alles normal.

 

 

Schönen Gruß in die Ebene!

Sommerpause

Ihr Lieben,

 

wieder mal ein Halbjahr rum…wir verabschieden uns in die Sommerpause. Ab 8. August gibt es ein eingeschränktes Training am Mittwoch, ab 26. August läuft das Training wieder normal.

 

Dazwischen denken wir an nichts, geniessen und erholen uns gut.

 

Lieben Gruß!

 

Malte

Das Sommerseminar

Ihr Lieben,

letztes Wochenende waren wir für das Sommer Stille Seminar in Strodehne an der Havel. Das war erstens wunderschön. Marions Werners Seminarhaus steht fast direkt am Fluss und ist sehr einladend und warm – genau wie sie selbst.

Es war auch sehr schön produktiv.  Wir haben unser Üben in den letzten Jahren ein bisschen vom Kopf auf die Füsse gestellt, vom körperlich induzierten rauschhaften Erleben des eigenen Selbst hin zur inneren Freiheit von Gefühlszwängen und Gewohnheiten. Diese Freiheit herzustellen und zur Schaffung innerer Harmonie zu nutzen sind wir dieses Jahr eintüchtiges Stück vorangekommen.

Abendwiese

Im Seminar haben wir zunächst geübt, so ab zu lassen von inneren Beschäftigungen, Lasten, Ängsten etc, dass wir in unserem Innern sein konnten. Dabei beruhigt man sich zumeist und die Betonung wandert von selbst von in uns sein zu in uns „sein“.

Die Aufgabe dabei ist, eben nicht alle andere Beschäftigung fort zu schicken, herabzusetzen oder zu bekämpfen, sondern von ihr abzulassen und den Raum ohne Tun immer genauer wahrzunehmen und immer tiefer in seine Mitte zu treten. Auf dieser Wahrnehmung zu verharren und sich mit dem scheinbar unbedeutenden, kleinen Sein, das keine Leistung erbringt,  zufrieden zu geben, ist eine große Kunst.

Die von zwanghaftem Tun ganz verschiedene Mitte ist auch körperlich ganz entspannt. Man kann einfach gar nicht mit machen mit den inneren Zwängen, so weich ist man. Man erfährt aber auch erst, wie tief die eigene Wärme sich gründet und kann sie tief in sich zurückverfolgen. Man nimmt sich in die Tiefe wahr.

Etwas paradoxerweise ist ein Sein, das sich mit sich selbst bescheiden und ablassen kann von äußerlich veranlasster Beschäftigung, dann frei, sich mit reiner Wärme einer Person, einem Thema oder einem Gedanken zuzuwenden und dieses freundlich zu empfangen und zu stützen, wo es diesem oder dieser wohl tut.

Dieses Fähigkeit, sich ohne weiteren Gedanken oder Zweckhaftigkeit an dem zu orientieren, was den anderen ebenso pur, also nicht vermittelt durch größere Zielsetzungen, stützt, begründet gerade eine harmonische, nicht am Gegensatz geprägte Beziehung, die auch dem anderen eine Erneuerung in der Substanz und wechselseitige Teilhabe an der jeweiligen Substanz erlaubt.

Je purer die eigene Präsenz, desto freier ist man, sich dem anderen zu zu wenden und ein neues, Gemeinsames zu schaffen.

Strasse ins Licht

Wir haben das im Seminar mehrfach ausprobiert in Beziehung mit einem anderen Teilnehmer, bei dem wir nur dessen Bedürfnisse beobachtet haben und gar nicht so sehr seinen Inhalten gefolgt sind.

Das gleiche Prinzip gilt aber auch im Umgang mit sich selbst. Der freie Teil des Seins kann sich eben den ablenkenden, mal freudvollen, mal schmerzlichen, verunklarenden, betäubenden, etc. Teilen frei zuwenden und sie ernstlich willkommen heißen.

Damit aber kann er die innere Spaltung aufheben, zwischen Beschäftigung und Sein und die beiden zu einem inhaltlich ganz neuen, harmonischen Sein verschmelzen.

Dieses ist dann weder das ganz stille vom Anfang der Übung noch ist sein Inhalt gleich dem vom Sein abgeschotteten Tun. Es fügt sich zu einem ganz anderen Wesen zusammen, dessen Gefühlshaushalt vor allem durch die Abwesenheit innerer Spaltung geprägt ist. Man mag sich dann und was man tut.

Das fand ich ziemlich großartig. Wir haben das im wesentlichen ausprobiert daran, etwas sehr Schönes, also die Empfindung fließender Qi Gong Bewegung in uns einzuladen. Es klappt aber eben auch bei anderen, primär weniger angenehmen Dingen, die man in sich trägt. Das ist dann echte Heilung.

Strahlen

Das willkommen heißen ist dabei natürlich nur ein Schritt neben vielen anderen, die man mit inneren Lasten machen kann. Wir haben in Verbindung mit jemand anderes mit Bilateraler Stuimulation und Briefe schreiben ja zwei davon ausprobiert. Aber echtes Willkommen heissen ist eben ein ganz wichtiger, der erst die Basis für alles andere darstellt.

Ich glaube, wir haben ein gute Basis gelegt für weitere Entwicklungen. Im Herbst machen wir im Karate Seminar in Stolzenhagen weiter.  Jetzt ist erstmal Sommer  – ich hoffe alle können ihn geniessen und sich gut erholen!

Malte